Toolbar
clins d'oeil

Ende III

on: 10. März 2021

- «Wie ich jetzt schreibe, liegst du drüben auf dem Bettsofa und ich habe das Gefühl, du stirbst. Du möchtest für dich sein. Du kannst zu mr kommen, wenn dir darum ist.»

(Es ist still.)

- «Heute Abend bin ich früh zu Bett gegangen und habe den Compi mitgenommen mit der Idee, dass wir uns austauschen und ich dies gleich eintippe. Etwas Revue passieren lassen, vielleicht zu Trump, wo wir froh darüber wären, das Ende seiner Präsidentschaft erlebt zu haben. Vielleicht zu deinem Lieblingsthema der Karawane, die drüben wieder anrollt…»

(Edi hört ein Geräusch aus der Stube, aber dann ist wieder still.)

- «Aber du hast dich auf die Tastatur gelegt. Die Nähe gesucht - mein Kopf an deinem Leib. Ein anderer Dialog, inniger. Dann hab ich den Compi von unserem Gewicht befreit und wir lagen da, wortlos. Ein Abschiednehmen. Ich spürte, wie sich ein Anfall in dir anbahnte. Ich versuch dich zurückzuholen und dann doch von der Matratze stossen, sonst ist dann auch mein Bett durchdränkt von deiner Pisse, den Compi retten… Es krampft und schüttelt dich, es fliesst. Kurz und heftig. Entgeistert, fremd dein Blick danach, wie die Krämpfe schlagartig enden. Du suchst dich wieder, amtest schwer. Ich wisch dir den Schaum von der Schnauze. Warten.»

- «Was ist … - jenseits des Textes?»

- «, scheine ich von dir, drüben, mitzubekommen. Aber er wird von mir sein. Du schweigst, kein Kontakt.»

Ein Miauen, kurz, klagend am Ende des Schubes. Du hast dich in eine dunkle Ecke verkrochen, dir die Pisse und den Schaum vom Pelz geleckt. Ich habe mein Leintuch gewechselt, aufgewischt. Die verpissten Tücher nach draussen gebracht. Dein Bettchen neben mir frisch gemacht. Lumpen ausgespült. Da bist du in die Küche gekommen. Ich musste lachen. Ich habe dir das Futterschälchen mit granulés gefüllt. Du hast gefuttert. Ich rauchte auf der Terrasse eine Zigarette.

Dann setze ich mich aufs Bettsofa. Du kommst dazu, aber mit Distanz. Legst dich langsam und zittrig auf den Bauch. Schiebst die Vorderpfoten unter den Leib. Der Kopf noch erhoben. Der Blick ins Nirgendwo.

Ihr Leben schwindet.

Ich bin zum Umfallen müde. Ich muss schlafen. Wir schauen uns an. Ich wünsche ihr ‘Gutnacht’, streiche sanft über ihr kleines Köpfchen: «Ich geh dann ins Bett, komme wenn du magst. Ich schreibe noch ein wenig an unserem Dialog.»

(Edi liegt allein und schreibt. Hört nichts von drüben, der Stube, wo Madisch auf dem Bettsofa liegt. Er denkt, am Morgen könnte er sie dort tot finden. Es wär jetzt ok.)