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2021

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Donnerstag, 18 März 2021 14:18

Madisch 2.0

« Vor dem Schreiben eines kleinen Nachrufs auf dich, gestern, habe ich sicherheitshalber auf der Site für vermisste/gefundene Tiere nachgeschaut. Und da warst du überraschenderweise. Siehe da, Madisch lebt. Ich könne dich im Tierheim abholen.

Du hast nicht reagiert, wie wir uns wieder gesehen haben. Stoisch in dem Käfig und stoisch auf der Rumpeltour über den Hügel, wo ich oft jogge, in meinem Käfig.

Anfälle habest du keine gehabt und auch diese Nacht nicht. Es geht dir besser. Eigentlich eine Riesenfreude.»

(Madisch schweigt.)

Ich war unsicher, ob ich dir die Barbiturate wieder geben solle. Die halbe Portion vorerst…»

(Madisch schweigt.)

«Es freut mich, dass du wieder da bist. Ich werde dir mehr Futter geben. Satie fern halten - so gut es geht.

Es ist ein Neubeginn. Habe ich mich mit dieser Todesahnung gegen Veränderung gesträubt? Ist es meine Trauer über meine Situation, wo nichts zu gehen scheint? … Willst du deshalb eher einfach weg? Natürlich kannst du gehen, wenn du möchtest, aber bitt erst, wenn ich sicher bin, dass du bewusst gehst, dich nicht einfach nur verläufst… Aber ich möchte, dass du bleibst.»

(Madisch schweigt.)

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Mittwoch, 17 März 2021 14:16

Nachtrag VI

(am Morgen)

Gestern weiter nach Madisch gesucht. Nichts. Satie macht sich breit, liegt nachts bei mir, legt sich auf das Bettsofa, wo alles noch unverändert ist: Plastikschutz, Tücher. Spielt mit der gelben Spielzeugmaus von Madisch.

Ob Madisch seine immer häufigere Anwesenheit nicht ertragen hat?

Ich ertappe mich, wie ich Madisch vor dem inneren Auge durch den Garten kommen sehe. Es heult mir zuweilen.

Ich höre auf Fox-News, wie Trump eine Kandidatur 2024 ins Auge fasst, weil diffuse Gerüchte herumschwirren Meghan Markle könnte als US-Präsidentin kandidieren, das könne er nicht zulassen, schon der Queen zuliebe: «Die Absurdität zu besprechen, das wäre ein Thema für uns gewesen… «

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Dienstag, 16 März 2021 14:14

Nachtrag III

Ich erwache. Der Wecker ist laut. Ich habe endlich wieder einmal durchgeschlafen. Madisch ist nicht da. Sie ist nicht durch das offene Fenster hereingekommen. Sie hockt nicht vor der Terrassentüre. Ich trinke einen Kaffee. Schaue wieder auf der Terasse. Satie liegt auf der Bank. Er ist nervös. Wir streifen durch den Garten. Ich suche Madisch. Ich hole Rucksack und einen Plastiksack, streife durch die nähere Umgebung – schaue hinter die Sträucher, Ecken, Verstecke, wo sich Madisch zum Sterben verkrochen hätte haben können. Nichts.

Ich schaue in das fliessende Wasser, welches die Eisenbahngleise in einem Tunnel unterquert. Es könnte der Weg ihres Leibes sein. Sie, die ich kaum je trinken gesehen hatte.

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Montag, 15 März 2021 14:11

Nachtrag II

- «Ja, Madisch. Es war der Horror - die Tage. Du hast gelitten nach den Anfällen. Ich gebe dir Barbiturate. Eine sonst gesunde Katze, kann man nicht so töten, meint die Tierärztin. Ich will mal schauen, vielleicht. Ich will dich ja auch nicht umbringen.

Was machen diese Barbiturate mit dir. Du hast weiter die Anfälle….bist absent, erschöpft… Vielleicht kommt es nochmals, vielleicht stimmt es trotz der Barbiturate wieder….

Und jetzt, spät abends bist du weg. Es beunruhigte mich schon schnell. Jetzt regnet es. Ich suche dich in der näheren Umgebung, rufe leise in die Nacht, den Regen. Dein Orientierungssinn könnte durch die Barbiturate beeinträchtigt sein. Es ist mit einem Anfall zu rechnen. Nichts.

Und dann das Gefühl, dass du gegangen bist - um nicht mehr wieder zu kommen, um irgendwo zu sterben. Verrecken. Hab ich dir dein Sterben mit diesen Barbituraten erschwert? Hätten wir dich erlösen sollen am Freitag? Jetzt bist du irgendwo im Nassen, vielleicht am Sterben, hinüber gleiten…

Und doch kann es ein, dass du jetzt – wo ich dies denke, schreibe – wieder vor der Terassentür sitzest, dich lauthals beklagst über die geschlossene Türe. Ich dir gleich  - mit einem gespielten Erschrecken, dass ich dich aus Versehen ausgesperrt hätte, die Arme verwerfend, endlich Einlass gebe. Und du mit Entrüstung hereinstürmst, in die Küche, zum Futternapf.

Eigentlich habe ich schon einige Male nachgeschaut. Immer wieder in den Regen gerufen.

Ich gehe jetzt ins Bett, ich bin müde. Bin müde von unserem Abschied, der noch keiner war. Bin müde von dem Erwachen, Aufstehen in der Nacht bei deinen Anfällen, von dem ständigen Wechseln und Waschen der Tücher zum Schutze meiner Wohnung vor deiner Pisse. Dem Reinigen der Orte, wo es dennoch hingespritzt hat. Ich habe es gerne getan für dich. Das gehört dazu. Ich bin müde von dem vielen tröstenden Streicheln.

Den Tod kann man nicht teilen, nur das Leiden.

Jetzt bist du weg. Gehen, wie du gekommen bist – aus dem Nichts? Ich hab dir den Namen Madisch gegeben, damals – weil du irgendwo verschwunden sein musst… MAdame DIS(CH)paru»

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Donnerstag, 11 März 2021 14:07

Nachtrag I

Etwas vor 6 Uhr morgens wieder ein Anfall. Ich bleibe liegen. War es das Ende? Etwas später scharrt Madisch im Kistchen. Ich steh auf. Sie hat Hunger.

Ich recherchiere nochmals das Epilepsie-Thema im Netz. Dann der Anruf von Tierarztpraxis – die Epilepsie-Diagnose. Medikament, das helfe. Ich habe eher das Gefühl, sie sei zu erlösen. Die Ärztin sei nicht einverstanden… sie werde anrufen. Madisch hat Tränen in den Augen. Es geht etwas verloren.

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Mittwoch, 10 März 2021 11:31

Ende III

- «Wie ich jetzt schreibe, liegst du drüben auf dem Bettsofa und ich habe das Gefühl, du stirbst. Du möchtest für dich sein. Du kannst zu mr kommen, wenn dir darum ist.»

(Es ist still.)

- «Heute Abend bin ich früh zu Bett gegangen und habe den Compi mitgenommen mit der Idee, dass wir uns austauschen und ich dies gleich eintippe. Etwas Revue passieren lassen, vielleicht zu Trump, wo wir froh darüber wären, das Ende seiner Präsidentschaft erlebt zu haben. Vielleicht zu deinem Lieblingsthema der Karawane, die drüben wieder anrollt…»

(Edi hört ein Geräusch aus der Stube, aber dann ist wieder still.)

- «Aber du hast dich auf die Tastatur gelegt. Die Nähe gesucht - mein Kopf an deinem Leib. Ein anderer Dialog, inniger. Dann hab ich den Compi von unserem Gewicht befreit und wir lagen da, wortlos. Ein Abschiednehmen. Ich spürte, wie sich ein Anfall in dir anbahnte. Ich versuch dich zurückzuholen und dann doch von der Matratze stossen, sonst ist dann auch mein Bett durchdränkt von deiner Pisse, den Compi retten… Es krampft und schüttelt dich, es fliesst. Kurz und heftig. Entgeistert, fremd dein Blick danach, wie die Krämpfe schlagartig enden. Du suchst dich wieder, amtest schwer. Ich wisch dir den Schaum von der Schnauze. Warten.»

- «Was ist … - jenseits des Textes?»

- «, scheine ich von dir, drüben, mitzubekommen. Aber er wird von mir sein. Du schweigst, kein Kontakt.»

Ein Miauen, kurz, klagend am Ende des Schubes. Du hast dich in eine dunkle Ecke verkrochen, dir die Pisse und den Schaum vom Pelz geleckt. Ich habe mein Leintuch gewechselt, aufgewischt. Die verpissten Tücher nach draussen gebracht. Dein Bettchen neben mir frisch gemacht. Lumpen ausgespült. Da bist du in die Küche gekommen. Ich musste lachen. Ich habe dir das Futterschälchen mit granulés gefüllt. Du hast gefuttert. Ich rauchte auf der Terrasse eine Zigarette.

Dann setze ich mich aufs Bettsofa. Du kommst dazu, aber mit Distanz. Legst dich langsam und zittrig auf den Bauch. Schiebst die Vorderpfoten unter den Leib. Der Kopf noch erhoben. Der Blick ins Nirgendwo.

Ihr Leben schwindet.

Ich bin zum Umfallen müde. Ich muss schlafen. Wir schauen uns an. Ich wünsche ihr ‘Gutnacht’, streiche sanft über ihr kleines Köpfchen: «Ich geh dann ins Bett, komme wenn du magst. Ich schreibe noch ein wenig an unserem Dialog.»

(Edi liegt allein und schreibt. Hört nichts von drüben, der Stube, wo Madisch auf dem Bettsofa liegt. Er denkt, am Morgen könnte er sie dort tot finden. Es wär jetzt ok.)

 

 

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Dienstag, 09 März 2021 11:27

Ende II

-« Madisch. Ein Anfall um 2 Uhr, wieder einer um ca. 11 Uhr…Es schmerzt. Aber ich soll das per Video aufzeichnen, dann wissen wir vielleicht mehr... Mir tut das so unendlich leid.»

- «Es ist…»

- «Es ist so traurig. Ich beginne mich schon zu erinnern…und etwas daran zu gewöhnen. Ich hoffe, du leidest nicht zu sehr. Es ist dir nicht anzusehen – zwischen den Schüben…»

(Madisch schweigt.)

-          «Du bist gekommen und wolltest, dass wir uns gegen den Westast und Agglolac einsetzen. Der Westast ist weg. Agglolac ist in einer ersten politisch heissen Phase … Das musst du doch noch erleben…»

(Madisch schweigt.)

-          «Und den Frühling hätte ich gerne mit dir …wenn der Garten…»

-          «Du nimmst Abschied…»

-          «Es könnte ja wieder gut werden. Ich werde mal schauen. Wenn es eine Chance zur Erholung gibt, wo Du Du sein kannst – die du bist...»

(Madisch schweigt.)

-          «Du siehst dies gelassen. Eintauchen in dieses kollektive Bewusstsein… – in welchem ich dich in deinen Träumen vermute.»

(Madisch schweigt.)

-          «Bist du erschöpft?»

(Madisch reagiert nicht.)

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Montag, 08 März 2021 11:06

Ende I

-  «Ja, Madisch.  Das sieht nach epileptischen Anfällen aus.»

- «Heul nicht. Das Leben geht zu Ende. Immer.»

- «Ich will dich nicht verlieren.»

- «Die Grenzen sind fliessend.»

- «Wir könnten nicht mehr miteinander…»

- «Nein, können wir nicht mehr.»

- «Vielleicht erholst du dich...?»

- «Ich habe eher das Gefühl, du denkst, es sei mein Ende.»

- «Es kommt überraschend. Es schmerzt…»

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Montag, 01 März 2021 10:59

Nachtrumpen II

- «Gestern Nacht hast du dir mal wieder Trump reingezogen bis nach Mitternacht…»

- «Ja, hätte nicht sein müssen. Aber es ist interessant, dass er so offen das höchste Gericht, welches er selbst in grossen Teilen bestimmt hat, kritisiert und dessen Zusammensetzung in Frage stellt…»

- «Du bist doch einfach trumpsüchtig.»

- «Aber ist doch interessant, wenn die Medien mehr auf die Attacken Trumps auf seine Partei achten, denn auf seine offen antidemokratischen Verlautbarungen…»

- «Ach, Edi… Die Medien zeigen, wie Trump die Republikaner auf die Reihe kriegen will…»

- «…dabei hat er ausgedient, nicht mal Fox-News feiert ihn oder dieses CPAC-Event speziell. Die hacken lieber einfach weiterhin auf Repräsentanten der demokratischen Partei ein…»

(Madisch wird es zu langweilig)

 

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