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2018

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Mittwoch, 31 Oktober 2018 12:02

Karawane VII

- «Heute ist es ruhig.»

- «Nichts Neues von der Karawane?»

- «Warten wir es mal ab…»

- «Und was denkst du von der Reportage mit der Frau aus der Karawane

- «Träume, Missbrauch, Kampf und Zuversicht. Männer, die nicht zu gebrauchen sind.» (schnauft tief)

- «Es lässt dich unberührt?»

- «Nein. Aber ich weiss nicht.  Es ist nicht Abgestumpfheit… es ist die Nicht-Überraschung…»

- «… Du fühlst dich machtlos…»

- «…auch. Aber: Zum einen ist da die Sache. Zum anderen die Erzählung.

Zur Sache: Ich habe Mühe damit, dass Tausende von Menschen in einer Karawane durch einen halben Kontinent geführt werden. Die Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA ist doch Illusion. Ich fürchte, da bedient jemand eher irrationale Träume, statt echt zu helfen. Es wirkt irgendwie aufgesetzt auf mich. Eben Story-Telling: Der Auszug aus Ägypten ins gelobte Land…

- «Du hast also weiter den Verdacht, dass eine Realität, Migrations-Karawanen, geschaffen werden, damit Geschichten erzählt werden können.»  

- «Nein, nicht so, die wahre Geschichte aber wäre … aber lass mich zuerst was zu dieser Reportage aus der Karawane sagen…:

Diese Reportage zieht eben gerade exemplarisch ein Einzelschicksal heraus, welches prototypischer nicht sein könnte: Frau, anfangs 30, mehrere Kinder. Missbraucht, geschlagen, verlassen von ihren nichtsnutzigen Männern. Voller Lebensmut und -lust, Zuversicht auf eine bessere Zukunft. Und kein Trauma, Depression ist zunächst offensichtlich…

- «Es ist eine renommierte, sehr sympathische Powerjournalistin, die das geschrieben hat: Delphine Schrank. Musst mal schauen, die gehört auch zu Deca

- «Ja.»

- «Vielleicht gibt es kein Entkommen mehr…»

- «Entkommen?»

- «Du willst da raus. Raus aus dem Hickhack. Es gäbe doch – denkst du – ein Drittes. Ein Drittes, wo man sich zu verständigen sucht. Du suchst noch immer eine …Rhetorik, wo Du ein Gegenüber dazu bringst, sich echt auf Fragen der Menschlichkeit einzulassen, sich zu hinterfragen…»

- «Schau mal bei Pulitzer. Da hat es eine solche Geschichte – aus, respektive mit 'Politico'. Gerade frisch. Da hast du die Fakten und Zusammenhänge dieser mittelamerikanischen Migrationsgeschichten.»

- «Und jetzt?»

- «Genau: Und jetzt?»

- «Organisierst du eine Karawane?»

- «Madisch!»

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Dienstag, 30 Oktober 2018 10:32

Karawane VI

«Es stürmte draussen heut Nacht.»

«Ich habe nichts gemerkt.»

«Du hast geschnarcht.»

«Du kannst froh sein, dass du nicht draussen bleiben musst. Ich war wütend auf dich. Du bist eine Zugelaufene und prügelst nun Satie, der nur durch die Wohnung will, um über das Treppenhaus…hinauf. Sei bitte toleranter mit Satie. Es wird nicht geschlagen...»

«über 5000 Soldaten stellt der Trump an die Grenze zu Mexiko. Krieger mit scharfer Munition gegen Frauen, Kinder, die nur mit den Kleidern am Leib…»

«Madisch, du lenkst von deiner eigenen Intoleranz ab. Vertreibst mir den schönen Satie…»

« Und die Bilder sind schon geliefert: Schwarz die Polizei in schwarzer Kampfmontur. Ein Kleinkind auf dem Arm eines brusttief durch einen reissenden Strom watenden Südamerikaners... Stehen die sich schon gegenüber?»

«Madisch. Ich möchte, dass du dich mit Satie verträgst. Satie hat hier Platz und nimmt dir nichts weg. Wenn du nicht die Hälfte des Futters stehen lässt, dann frisst er dir nicht mal was weg. Da pass ich auf.»

«Edi. Trump will Tote sehen.»

«Madisch, so kannst du das nicht sagen. Trump hat lediglich gesagt, dass es Gang-Mitglieder, also gewaltbereite Kriminelle in der Karawane habe. Wäre überraschend, wenn es anders wäre…»

«Edi…»

(Ihre Stimme erstirbt. Sie schaut mich an. Bewegt den Unterkiefer um sich im Mund die Schleimhäute an zu netzen.)  

« Madisch. Das ist alles Rhetorik… Es geht um den Wahlkampf…bei den Republikanern soll eine überragende Mehrheit -  hab die scheinbar genaue Zahl vergessen - rund 80% die Migration als ein  Problem sehen. Bei den Demokraten seien es bloss 20%. Also fülle die Medienkanäle mit…»

«…Migrantenblut.»

« … Madisch! Nein! Nur mit Migrantenströmen. Karawanen. Es gibt noch Gummigeschosse. Sterben können sie dann auf dem Heimweg…»

«Edi…»

«…Ist doch wahr….»

«DAS werden wir erst sehen…»

«…Wenn DAS dann noch Medienthema ist…»

(Ein Moment mit Überlegung.)

«...die Toten sicher. Die rückkehrenden Südamerikaner...?»

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Montag, 29 Oktober 2018 14:45

Karawane V

- «Der Käfer ist immer noch draussen am Fenster. Der ist wohl tot. Dass er nicht runter fällt, an dem Glas kleben bleibt…?»

«Ja, Madisch. Es geht weiter mit der Karawane.»

«Ja, Edi. Die Berichterstattung dazu wird breiter

«Und die US-Zwischenwahlen rücken näher.»

«Die haben das sicher alles gut terminiert, dass sie gerade vor den Wahlen an die Grenze der USA gelangen. Showdown.»

«Madisch, wir werden sehen. Brasilien hat einen Ultrarechten als Präsidenten. Weil alle anderen korrupt seien, sagt man.»

«Ja, Edi. Vielleicht wird es nun anders in Brasilien ….»

«…Eine straffe Hand sei immer gut gewesen gegen allzu lockere Sitten. Haben die mittelständischen Grossväter damals gesagt.»

«Machst du jetzt endlich was zum ‘autoritären Charakter’…»

 

(Peinlich wenn man von Katzen zum Arbeiten aufgefordert wird.)

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Sonntag, 28 Oktober 2018 22:52

Karawane IV

- «Als würden sich die Ereignisse der Soap überschlagen…: Ein weisser Herr, in der zweiten Lebenshälfte will dass alle Juden sterben. Ein Rechtsextremer… Ein Opfer von ihm soll 97 Jahre alt sein.»

-«Edi? Soap? …Aha früher am TV eine Seifenoper... Altes weisses Mann lass den Sarkasmus …»

- «Howgh, Pelztier. Du hast Recht. Aber Trump twittert nur, dass Synagogen noch besser geschützt werden sollten …»

- «Edi…Bist du jetzt dem Thema der kollektiven Einsamkeit nachgegangen? Dem Autoritätskomplex…»

- «Ja, Madisch. Nein, hab ich noch nicht gemacht…. Du hast recht… ich sollte. Aber…»

- «Die Karawane zieht weiter

- «Ja, Madisch… Das soll Thema bleiben.»

- « Soll?»

- «Sorry, das ‘soll’ war jetzt sarkastisch gemeint. In den Augen Trumps soll es Thema bleiben…»

**

(Wir sind kurz vor den Zwischenwahlen in den USA. Dieses Dialogfragment ist nur zusammen mit denen der letzten Tage verständlich.

Noch kann sich die Welt weiter fragmentieren. Und sie dreht sich derzeit immer schneller.)

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Samstag, 27 Oktober 2018 22:44

Karawane III

- «Jetzt hat es zu regnen begonnen – Erstmals seit … langer Zeit.»

- «Ja? Was willst du sagen?»

- «Es ist unheimlich mit diesem …Cesar

- «Dieser Möchtegern-Briefbomber, den sie schon geschnappt haben…meinst du?»

- «Ich meinte mit ‘unheimlich’ eher, wie dieser Typ dem Klischee eines Trump-Vasallen entspricht:  Weisser, wohl frustrierter Mitfünfziger. Kein Mittelschichtler, kein Prolo eigentlich, irgendwie dazwischen…Autoritätshörig, wenn man seine Trump-Kleber-verpflasterte Karosse sieht, in seiner Schlaffheit scharf wie eine Bombe, wohl sehr gewaltbereit. Wahrscheinlich unendlich allein, einsam. Angst. Jongliermasse…
Das ist nicht ein Repräsentant der Mehrheits-Amerikaner. Das ist nicht die Grosszahl derer, die Trump gewählt haben.»

- «Nee… vielleicht spricht etwas in Trump diese Leute an …»

- «Du meinst, Trump sei einsam? … Interessanter Gedanke.»

(Madisch reagiert nicht. Edi weiter:)

«…Mir kommt da in den Sinn, dass gesagt wurde, Trump wolle in seinem Schlafzimmer im Weissen Haus ein Türschloss, welches sich nur von innen her öffnen lasse…
Ja, vielleicht denke ich zu wenig in solchen Kategorien: Einsamkeit in einer Welt voller Kommunikation. Einsamkeit, die in der Masse nicht auffällt… irgendwie…»

- «Edi, verlier deine Karawane nicht aus den Augen. Die Mexikaner sollen anerboten haben, die Karawane vor der Grenze zu den USA zu stoppen. Mit einem …humanen Plan...»

(Pause.)

- «Edi, was machst du? Es ist mein Privileg einfach aus einem Gespräch davon zu laufen, das dürfen nur Katzen… aber ok…»

 **

Kontext: Verschiedene bekannte Demokraten in den USA wurden in den letzten Tagen mit Briefbomben bedacht, welche aber ihre Wirkung offenbar nicht entfalten konnten. In Florida wurde nun ein Verdächtiger verhaftet.

Eine Karawane von Menschen offenbar vor allem aus Honduras zieht in Richtung USA durch Mexiko. Sie sollen in die USA wollen. Offenbar doch Migranten. Viel scheint man nicht zu wissen. Hoffnungslose Menschen, welche aus ihrer perspektivenlosen Armut fliehen.
Es sind nur noch wenige Tage bis zu den Zwischenwahlen in den USA. Allenfalls haben die Demokraten eine Chance, die Mehrheiten im Parlament zu erobern. Sie könnten dann Trump ein Gegengewicht bieten.

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Freitag, 26 Oktober 2018 22:39

Karawane II

- «Siehst Du Madisch…»

- «Was Edi?»

- «Es wird ein grosses Thema…»

- «Was Edi?»

- «Die MigrantInnen-Karawane: Wir sind wenige Tage vor den Zwischenwahlen. Die Republikaner setzen auf das Thema illegale Einwanderung…Trump kann risikofrei den Maker markieren. Die Karawane kann nicht funktionieren. Die Opferzahlen werden gering sein. Hoffentlich keine Kinder…»

- «Soso, Edi.»

- «Ja, so ist es.»

- «Bist du jetzt zufrieden?»

- «Madisch? Gehst jetzt du davon aus, dass die Karawane Fake ist?»

(Sie macht wieder auf schlafend.)

- «Trump twittert zwar von diesen seltsamen Briefbomben gegen die Demokraten… Dies schade den Republikanern lamentiert er – wenigstens dienen dann seine ungefragt vollstreckenden Möchegern-Gehilfen als Sündenbücke…»

(Sie macht weiter auf schlafend.)

- «Wobei, wahrscheinlich will er nur sein Fussvolk wach halten – egal womit…- es gibt ja Umfragen, welche das Momentum momentan bei den Republikaner zeigen… Ach, Madisch.»

(Sie leckt sich nun die Pfoten. Redselig scheint sie heute nicht zu sein.)

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Mittwoch, 24 Oktober 2018 10:15

Herbst Teich Migration

Es ist Herbst. Die Blätter verfärben sich. Der blaue Himmel spiegelt sich im Teich. Es ist windstill.

- «Edi, heute berichtet Reuters, wie das mit dem Migranten-Konvoi ist, der da auf die USA zurollen soll
Sowas hat es schon mehrfach gegeben. Trump hat im Frühling einmal einen solchen Konvoi thematisiert. Deshalb ist der aktuelle populär und gross geworden.»

- «Siehst du, Madisch. Das ist Qualitätsjournalismus, was Reuters da macht. Eine hintergründige, himmeltraurige Geschichte mit grösserer Relevanz wird… transnational aufbereitet und nun verstehbar.»

- «Soso.»

- «…Über WhatsApp ist das organisiert, interessant. Das wäre noch so eine eigene Geschichte… Tausende sind es, die unterwegs sind – Ganze Strassenzüge an einzelnen Orten hätten sich geleert von Hoffnungslosen, die nun wieder jede Vernunft ihr Glück in einer Karavane über Mexiko in die USA suchen… Das kann nicht gut gehen…»

- «überprüfst du, was du da jetzt weiterverbreitest?»

- «Das müsste ich, Madisch, du hast recht. Das gehörte zur Qualität… aber Reuters…»

- «…es ist dir zu aufwändig – grosse Worte und nix dahinter…»

- «Profi-Journis werden der Geschichte nachgehen, wenn Reuter sowas anreisst…»

- «Oder eben doch nicht und nur das was hier steht kolportieren…wie du immer wieder monierst…»

- «Da braut sich was zusammen…»

- «Das ist doch hier - in Europa - längst so. Die da über das Mittelmeer kommen, sind in Afrika auch irgendwo schon organisiert worden…»

- «Schon, nur – dieser Konvoi, der hat etwas biblisches… Auszug aus Ägypten oder so…Das wird ganz eine andere Dynamik entwickeln…»

- «Edi, jetzt geht dir deine Fantasie durch: Da geht es nicht um Storytelling, da geht es um reale Menschenleben, wirkliche Menschen… ».

- «Madisch, auch…und, bist du sicher?»

- «Edi, das mit den Verschwörungstheoretikern hat es dir wohl angetan, aber…»

(Sie nimmt eine Flucht unter das Bettsofa in Betracht, aber sieht von der Ausführung ab, da Edi sich als lauter Trägheit nicht provozieren lässt.)

 

Vertiefend zum Thema Social Media und Migration zunächst beispielsweise.

 

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Dienstag, 23 Oktober 2018 08:57

Kavanaugh V und Trump

Die Welt scheint langsam wieder in Ordnung zu kommen. Je kühler es wird, desto häufiger sitzt oder liegt Madisch wieder auf ihrem Thron, bei mir im Büro am Fenster, wenn ich arbeite.

«Laut BBC sei der Oktober der erfolgreichste Monat der Trump-Präsidentschaft bisher…»

 «Willst du mir nun erklären, warum du vorgibst, Freude an dem alten Sack zu haben?»

 «So kann mädchen das sehen…
Hast du studiert, wie die britische BBC den Sachverhalt erklärt:  Der Erfolg wird mit der  Zustimmungsrate erklärt, welche die letzten Präsidenten der USA nach rund 1-2 Jahren erzielt haben: Obama war eine Spur höher, Clinton und der letzte Bush je etwas tiefer. Vor allem aber gewinne Trump in letzter Zeit massiv an Zustimmung …»

 «Und weshalb?»

« Es wird mit der Arbeitslosenrate begründet. Die sei seit einem halben Jahrhundert nie mehr so tief...»

«Dafür kann der alte Sack wenig, vielleicht der Schwarze zuvor etwas mehr…»

«…Kavanaugh ins höchste Gericht… «

«…wollen selbst die Mehrheit der Konservativen ein parteiisches Gericht…?»

«…der USA-Korresponent der BBC, Nick Bryant, spekuliert auch, dass die Diffamierung durch Trump, der Frau, welche Kavanaugh des Vergewaltigungsversuchs beschuldigt hat, ihm die Unterstützung der Genutuung von verunsicherten Männern gibt …»

«…das soll ihn stärken…?»

«Am interessantesten scheint aber, was Trump in letzter Zeit NICHT gemacht hat: Er hat Rosenstein NICHT entlassen, welcher die Müllerschen Untersuchungen zu seiner Verstrickung mit Russland bei den Wahlen untersucht. Obwohl er laufend scharf gegen den getwittert hat… Der Abgang von Nikki Haley, der offenbar so beliebten UNO-Botschafterin schien harmonisch und ist auch schon wieder vergessen und die stormy Daniels ist ebenfalls scheinbar ruhig… 

«…das erklärt nicht wirklich… Ich versteh Euch Menschen nicht…»

« Es wird auch erwähnt, dass Trump seine Wahlversprechen reihenweise einhalte…»

«… die sind auch genügend doof..»

«… aber da kommt dir Bryant entgegen: Eigentlich müsste bei der Arbeitslosigkeit die Zustimmungsrate zu Trump weit höher sein und das Land sei weiterhin scharf gespalten….»

«Edi, mir ist lieber, wenn du von der zerfallenden Gesellschaft fasselst, welche der sich immer weiter differenzierenden Gesellschaft folge…»

«Machst du dich über mich lustig…?»

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Montag, 22 Oktober 2018 16:35

Herbst-Teich plus Landbrücke

- «Der Teich ist schön im Herbst. Mit den schwimmenden, welken Blättern darin. Geheimnisvoll. Es hat sehr wenig Wasser. Es hat nie ausgiebig geregnet...»

- «Ja, Madisch....

(Pause.)

...Ich werde wahrscheinlich langsam verrückt. Es macht mich verrückt…»

- «Was ist los, Edi?»

- «Sonst hast du doch immer alles intus, was ins Netz geschrieben wurde? Also: Der Trump habe den Grenzwächtern und der US-Army gesagt, dass der sogenannte Migrantenstrom aus Zentral-Amerika, der derzeit in die USA ziehen möchte, ein nationaler Notfall darstelle. Und dass er die humanitäre Hilfe für Zentralamerika kürzen werde…»

-«Ist doch gut… endlich geben die Amis kein Geld mehr – dann wird die Armut dort auch abnehmen. Aber ob er sich wirklich - noch mal - in die Nesseln setzen wird und diesmal gar auf Kinder schiessen lässt…»

- «Nee, wird er nicht. Das sind Geschichten die Trump immer gewinnt…Es ist eh Fake…»

- «Was ist Fake? Es sind Tausenden, die nach Amerika wollen und da in Mexiko warten? Oder meinst du die seien gecastet?»

- «Ich befürchte wirklich, da ist viel Fake dabei…sagt mir irgendwie mein PR-Instinkt…»

- «Du siehst eh überall Marketing  - aber dass Trump sowas inszeniert…?»

- «Ne, soweit würde ich nicht gehen. Ich denke eher, dass es andere sind, welche ein kleines Stück ihrer Bekanntheit, ihres Ertrags von dem Event abschneiden wollen… - und Trump spielt mit…»

- «Edi, du beginnst wirklich Gespenster zu sehen …»

-«Sag ich ja – die Frage ist nur wer die Gespenster sind…»

- «Ha, du könntest dir vielleicht unsere Brötchen als Verschwörungstheoretiker verdienen…»

 (Madisch huscht eilig unter das Bettsofa.)

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Montag, 22 Oktober 2018 08:31

Weiterer Anfang vom Ende Teil 2

- «Edi?? Edi, ich spür doch…»

- «Madisch, was spürst du?»

- «Es lässt dich nicht in Ruhe.»

- «Was?»

- «Der Trump....

(Schweigen. Edi leicht genervt.)

...Du kannst noch so viel von Marketing, Frames und anderem Firlefranz sprechen… Letztlich hat sich eine Mehrheit der Amerikaner für den Trump ausgesprochen und es kann sein, dass die Republikaner nicht mal eine Riesenschlappe dafür einfahren bei den Zwischenwahlen… Dein Denken in Kategorien der Aufklärung...»

- «Da hast du recht. Vielleicht durchschauen die Menschen die persuasiven Mechanismen zuwenig, wieder besseren Wissen erzielen diese mehr Resonanz, als wäre kein Kraut dagegen gew....»

- «Das Sanfte bleibt still. Das Stille ist sanft.»

- «Madisch? Wirst du jetzt esoterisch?»

- «Die sanfte Stille lässt dich nicht in Ruhe.»

- «Hä?»

(Sie kugelt sich wieder auf dem Bettsofa zusammen. Draussen ist es kühl. Der Herbst ist nun Herbst geworden.)

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Freitag, 19 Oktober 2018 17:52

Ein weiterer Anfang vom Ende

- «Edi, wie ist jetzt das?»

- »Was jetzt?»(Edi leicht genervt)

- «Da war doch einerseits dieser Artikel von Lakoff und Duran im Guardian, wie die Presse besser mit Trump umgehen könnte, sollte, müsste…»

  «Ja, Madisch?» (Edi pustet aus)

- «Ich zitiere:
'First, journalists must understand how propaganda works on the brain and grasp the cognitive science that marketers of propaganda have implicitly mastered: frames, metaphors, narratives and brain basics.
Second, keep a steely focus on the fact that American democracy is under attack by a foreign power, possibly with collusion from the sitting president’s campaign. This is a crisis. Certain rules don’t apply in a crisis, …»

- «Geht es nicht etwas kürzer?»

-: «Gut. Die drei wichtigsten Punkte sind:
1. Wissen zur menschlichen Informationsverarbeitung kennen - wie die Werbefritzen
2. Die Kontrolle über Nachrichtenzyklen nicht Trump überlassen…
3. Keine Lügen verbreiten…das heisst Trumps Lügen nüchtern aus ihrem Kontext betrachten und auf die wichtigen Sachen dahinter eingehen …»

- «Ja – und…?»

- « Heute titelt der Guardian: ‘Trump praises Ginaforte for assault on Guardian reporter.’
Ein Guardian-Journalist sei von einem republikanischen Politiker tätlich angegriffen worden während seiner Arbeit im Frühling letzten Jahres. Und der Politiker... eben dieser 'forte'  .... wird dafür von Trump gelobt… Und der ‘Guardian’ empört sich nun über Trump.  Liest der Guardian seine eigenen Artikel nicht - oder hat ihn schon vergessen?»

- «Madisch, wenn ein US-Präsident es gut findet, dass Journalisten für ihre Arbeitsausübung zusammengeschlagen werden… Dann musst Du als Medium protestieren, sonst bist du wirklich ein Feigling…»

- «...Das ist jetzt deine ganze Antwort auf meine Frage?»

- «Madisch, was willst du?»  

- «Edi, bitte…»

- «Ich zitiere wie du den Text von Lakoff und Duran: ‘…So the press is at a disadvantage when dealing with a super salesman with an instinctive ability to manipulate thought by 1) framing first 2) repeating often, and 3) leading others to repeat his words by getting people to attack him within his own frame.
Language can shape the way we think.’
Wahrscheinlich beherrscht Trump diese Logik einfach instinktiv. Und darum ist er da, wo er ist. Darum haben wir Menschen ihn gewählt… Die Marketing-Logik, welche uns umfassend umgibt, entspricht ebenso Trump - wie auch uns. Wir sind in sie hineingeboren… und sie wird uns vielleicht auch zerstören…»

- «Amen. Also … du meist, die Marketinglogik – wie sie eben in dem Artikel beschrieben wird, die gestaltet Eure Kommunikationen umfassend…»

-  «Nein Madisch. Nur die Formen der öffentlichen… Kommunikation richten sich nach dieser Marketinglogik. Es wird alles dem ‘Verkaufen’ untergeordnet. Es giobt nichts zu sagen, was nicht verkauft wird.»

- «Ja? Ich verstehe nicht ... Trump macht sich doch immer mehr ‘unmöglich’..»

- « Genau das ist ja, was der Artikel sagt. Wir gehen auf seine Ausfälle ein. Und damit stärken wir ihn.
Es ist sogar so, dass dem 'Guardian' gar nichts anderes übrig bleibt, als das gemeine Spiel hier mitzumachen...: Er muss sich empören, sonst gälte er als feige, wenn er dieses physische Journalistenbashing nicht erwähnen würde. Und die Wirkung ist genau das, was Trump nützt: Sie bringt ihn pointiert ins Gerede und auf den Journalismus kann eingedroschen werden...»

- «Ihr Menschen seid komisch mit diesem Framing.»

- «Ja zeichnen wir den Frame noch etwas weiter aus..: Es transportiert sich Harmlosigkeit und Machtlosigkeit durch die Berichterstattung: Du kannst als Journalist dich beklagen - und gibst dabei primär Deinen Angreifern Raum... Das zeigen Lakoff und Duran wirklich gut auf.»

- «Pervers. Ihr Menschen seid pervers.»

- «Madisch? Siehst du – genau das ist ein weiterer Folge-Frame: Wenn alle Menschen pervers sind, was wäre nicht pervers? Ihr Katzen? Trump? Und nun kommen wir der Sache näher: Die Kategorien, Dimensionen – in denen wir uns bewegen – müssen wir reflektieren. Und jene ansprechen, in welchen wir uns nicht mehr - oder noch nie - bewegt haben...»

- «Ich mag nicht mehr diskutieren…»

- «Aber, Es wird nicht ewig gehen. Das läuft sich tot. Jede Spirale läuft in einer Spitze aus... Die Frage ist nur bei welchem Preis. Aber da sind wir wieder bei der Marketing-Logik...»

 

Wir reden von:

-  Artikel aus Guardian zu Trump zu Attacke auf Ben Jacobs

- Artikel aus Guardian zu Trumps Erfolgsrezept

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Dienstag, 09 Oktober 2018 08:25

Kavalaugh IV

(Der frischgewählte Richter des obersten Gerichts der USA schlägt neue, versöhnliche Töne an, kaum ist er vereidigt. Das ist nett und kostet ihn nichts. Dass sein Name nun für die Relativität der Wahrheit von Aussagen bekannt ist, kann er hingegen wenig.)

- «Madisch, es ist ebenso einfach, wenn Du behauptest, dass alle Verlierer rechts wählen, als wenn ich…»

- «…. so ein Blödsinn würde ich doch nicht behaupten…»

- «Ich zitiere dich wörtlich: Es wird von Chancengleichheit geschwaffelt – aber es gewinnen nur wenige - und dies sind meist die anderen. Bitte sehr.»

-  «Das heisst doch nicht, dass Verlierende generell rechts wählen … Sondern das heisst, dass Chancengleichheit vielleicht eine gute Sache ist, aber unter Wettbewerbs- sprich Selektionsbedingungen bei einer Mehrheit der Beteiligten zu Frustrationserfahrungen führt: Gewinnen kann nur einer – oder eine…»

-  «...also verlieren sollte man können… das gehört zum Spiel…»

- «… vielleicht ist es das. Es gibt das Spiel nicht mehr. Es ist alles todernst.»

- « Hm, Madisch. Ich weiss nicht. Lächelst Du jetzt?»

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Montag, 08 Oktober 2018 13:18

Kavanaugh III

- «Wir müssen besser verstehen, was es ist, dass die Menschen dazu bringt, solchen …Autokraten ihre Stimme zu geben.»

- «Das ist nach wie vor …die autoritäre Einstellung...der autoritäre Charakter…der so verbreitet ist…»

- «Das sagst du immer wieder …So einfach ist es nicht … Es ist nicht einfach so, dass einmal in der Kindheit – die Entfaltung behindert wird und dann ist da Faschismus…»

- (Edi belustigt über die tierische Ernsthaftigkeit) «…sondern…?»

- «Es ist die Erfahrungen des Verlierens…objektiv und subjektiv…wenn du keine Chance hast, siehst…- über dich hinauszuwachsen… Wenn Du einfach hast, was dir zugestanden wird, genügend Futter…»

- «Madisch??»

- «Genau. Es wird von Chancengleichheit geschwaffelt – aber es gewinnen nur wenige und dies sind meist die anderen.»

- «So funktioniert Wettbewerb.»

- «Darum sind sie gegen Eliten.»

- «Aber…»

- «Es ist immer alles zu einfach.»

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Montag, 08 Oktober 2018 13:15

Kavanaugh II

- « Jetzt ist er drin.»

- «Bist du immer noch bei diesem Judge Kavanaugh? Mit vereinten Kräften ist er nun ins oberste Gericht gehoben… passt neben dem Lüstling im Weissen Haus…»

- «So ist es: Es dient den vereinten Geschäftlimachern und Konservativen. Trotz aller rigiden Moral beispielsweise bezüglich der Abtreibung… Mit einem Kavanaugh hoffen sie, die Geschichte

- «Du.. Edi…?»

- « Ja, Madisch?»

- «Warum setzen sich solche Leute überhaupt für eine Auswahl durch? Warum fliegen die nicht vorher aus dem Rennen?»

- «Gute Frage – warum fallen differenziert Denkende, Saubere schon bei einer Vorauswahl durch? Das ist interessant …

(Er überlegt)

… Madisch? Madisch, wo bist du? «

(Sie ist verschwunden)

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Freitag, 05 Oktober 2018 17:44

Kavanaugh

«Ja, Madisch, Du hast recht--- endlich. Endlich sind sie am Ende.»

«Worin habe ich recht? Was willst du mir in die Hirnwindungen legen…?»

«…Diese Menschen. Diese Menschen, die glauben, dass es ein Richtig und ein Falsch gebe….

(Ich denke mir, jetzt versucht Edi sich bei mir einzuschleimen. Dabei will ich nix von Katern wissen…)

« …Ich höre sogar dem schmierigen Senator Cruz zu. Das ist überraschend: ‘Deeply divided’ … sei Amerika, hebt er an – um dann doch bloss diesen Richter Brett Kavanaugh zu stützen...»

«Ahh, diese Kavanaugh-Geschichte…»

«Madisch… es ist so grässlich …»

«Grässliche Geschichte…»


«Nicht nur von dem Thema her, sondern wie sie es präsentiert... 
Diese Senatoren erkennen, dass sie nur mehr blosse Figuren in einem Theater sind... Marjonetten, die nicht wissen, welches Stück genau aufgeführt wird... Sie scheinen sich über die Parteiblöcke hinaus darin einig, dass sie nicht mehr zusammen finden können...»

«Denkst du, Edi? Ja? …»

(Bild: Spinne, welche regelmässig ihr Netz über den Teich spannt)

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