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2017

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Mittwoch, 20 September 2017 17:58

Teich September 2019

Published in Teichbild
Sonntag, 10 September 2017 17:51

Europa-Allée

(- "Edi, jetzt zitiere ich mal Dein Tagebuch:")

Europa-Allée. Nachts. Schaufenster. Da hat es einen schönen Alkladen. Vom Fass. Whiskey in allen Sorten. Wenn ich Geld hätte, würde ich probieren. So ein Laden haben, das wäre ein Traum. Aber hier wäre es teuer. Unendlich teuer. Da musst du Umsatz machen. Ich geh weiter. Alprausch, ein weiterer Laden, in den man hinsieht. Drinnen hat es Licht. An einer Wand hat es Geweihe. Europa-Allée. Das Spiel mit der Sehnsucht. Jagd. Etwas kaufen, wo man anderes gesucht hat. Ich blicke zurück. Jagd. Im Nachthimmel hat es viele Lichter von vielen Kränen. Noch wird gebaut, auf der anderen Seite, der Europa-Allée. Bald wird fertig sein. Ein Quartier entstanden sein. Es zieht mir die Eingeweide zusammen, schon jetzt, wo es noch eine Bretterwand, eine Spur Improvisation, etwas unfertiges hat. Es schreit eine gigantische Anonymität. Geld, Geld her. Da bin ich.

Europa-Allée. Kein Sehnsuchtsname. Der nächste Laden auf dem Weg zu den Geleisen ist eine Apotheke. Auch sowas rentiert wohl nicht mehr. Es wird hier wohl nur Präsenz markiert. Internet. Weiter. Der Blick durch ein Fenster auf ein alt anmutendes Sofa, eine altmodische Ständerschirmlampe. Ein Blick wie in eine versiefte Stube, aber es hat etwas warmes. Zwei Männer scheinen da aus einem Fenster zu kommen. Es ist eine Glastür. Die beiden Männer warten draussen, bis die Türe sich geschlossen hat. Einer der beiden Dunkelhäutigen, der Grössere, greift oben in der Mitte der automatischen Türe an ein vorstehendes Metall. Wohl ein Sensor. Fummelt da was. Dann gehen sie fort. Ich denk mir, wenn es Diebe wären, dann wären sie cool.

Auch ich gehe weiter. Europa-Allée. Zürich. Ich muss auf den Bahnhof, auf den Zug. Ich bin früh. Ich geh die noch provisorische Treppe zur Unterführung der Geleise hinunter. Ich habe noch Zeit. Eine schöne Frau steuert auf mich zu. Bahnhofstrasse? Bahnhofstrasse, fragt die mich. Meine Antwort scheint zu umschweifig zu sein. Sie zeigt einmal nach links, dann nach rechts, stellt den Kopf fragend. Ich deute nach links. Sie stürmt davon.

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